S C H L A G L O C H
TOTEN . HALLE

Die Verabschiedung der Toten wird aus den Häusern, den Mietwohnungen und Wohnsiedlungen ausgelagert in die Aufbahrungshallen, die Totenhallen, wie sie im Volksmund heißen. Selbst die kleinen Gemeinden haben ihre Totenhalle, meistens in der Nähe des Friedhofes, nicht der Kirche. Auch die künstlerische Ausgestaltung der Totenhalle kann den Geruch des Todes nicht vertreiben.
 

Für den Neubau der Totenhalle in einer Gemeinde gab es eine öffentliche Ausschreibung. Unter den eingereichten Entwürfen den, von einem Künstler, die Totenhalle als rotes Herz zu gestalten.  Dieser Entwurf war den lokalen Gemeindepolitiker zu gewagt. Ob ein Herz und welches Herz ist es dann, den Tod erträglicher macht?  Den Tod der Künstlerin, die manchmal über Bauchschmerzen geklagt hat, es wird die Aufregung sein, ein nervöser Magen, es war ein Unterleibskrebs. Den Tod vom Gewerbetreibenden, der immer ein fröhlicher Mensch war, der mit seinem Schmäh eine Tischrunde unterhalten konnte und überall Optimismus verbreitet hat. Vielleicht war er eine Spur zu optimistisch und hat einmal zuviel gelacht, bevor er sich selbst das Leben genommen hat. Der Dorfpfarrer hat ihm das kirchliche Begräbnis verweigert. Statt der Herzform gibt es eine der Tradition entsprechende Totenhalle und einmal im Jahr verfasst das zuständige Gemeindevorstandsmitglied einen Bericht über das Bestattungs- und Friedhofswesen in der Gemeindezeitung. 

Das rote Herz.
1.11.07 15:00
 
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