S C H L A G L O C H
AB.KÜHLUNG

Mit jeder Schlechtwetterfront wird es im Herbst um einige Grade kühler. Der Temperaturrückgang wirkt sich wohltuend auf den Straßenverkehr aus. Die Fahrweise der Autofahrer wird ruhiger und gedämpfter. Die Abkühlung bringt Erleichterungen bei körperlichen Beschwerden, bei Venen- und Lymphdrüsenleiden, bei Kreislaufproblemen und hohem Blutdruck. Die Menschen bewegen sich leichter und sind wieder mehr belastbar. Nicht in allen Arbeitsstätten gibt es Klimaanlagen und bei Privathäusern ist es die Ausnahme. Beim Arbeiten mit dem PC dauert es nicht lange und es schaltet sich die Kühlung ein. Sind es die Gedanken oder die offenen Programme, welche den PC heißlaufen lassen? 

Was verschafft unserem Kopf Kühlung, wenn er heißgelaufen ist? Die Ursachen können vielfältiger Natur sein, durch Überarbeitung, eine besondere Herausforderung, ein Konflikt oder unwahre Behauptungen welche die eigene Person betreffen. Die Einen versuchen den Kopf durch autogenes Training zu kühlen, andere mit einem Spaziergang im Wald, einer Rastpause an einer Quelle. Man besinnt sich eines Kurses zur Körperentspannung oder legt sich kühlende Wickel auf den Kopf. Es nützt kaum, die Klimaanlage in der Wohnung einzuschalten. Diese kühlt nur äußerlich und nicht den Brand im Kopf. Manche beginnen bei den Haaren oder im Nackenbereich zu schwitzen. Wie bei einer Klimaanlage bildet sich Kondenswasser und läuft den Hals entlang. Je nachdem ob man ein rechter oder linker Typ ist, betrifft es die rechte oder linke Kopfseite. Linke Typen.

www.schlagloch.at

23.11.10 20:14


TAUSCH.HANDEL

Auch an Orten, bei Wohnungen, wo die nächste Straße mehrere Hunderte Meter entfernt ist, kann man den Straßenlärm hören. An schönen Tagen, wenn der Wind weht und dazwischen aus einem angrenzenden Garten der helle Ruf eines spielenden Kindes. Gegen dieses Rauschen, das am frühen Vormittag und am späten Nachmittag am stärksten ist, gibt es keine Rechtshandhabe. Wir leben in einer Gesellschaft mit klaren Rechtsregeln, wir sind in einem stabilen Rechtssystem aufgewachsen. Es ist ein seltener Zustand, wenn es im Kopf völlig still wird, wir sind nicht nur dem Lärm von außen ausgesetzt. Die moderne Hirnforschung sagt, dass wir unsere Tätigkeiten unabhängig von unserem Willen ausführen. Wir bestätigen im Nachhinein die Entscheidung unsers Gehirn, dies ist der freie Wille. Wir haben die Möglichkeit etwas nicht zu tun, uns gegen unser Gehirn aufzulehnen.

Als Kind lernen wir, dass es menschliche Regeln gibt, jeder seine Freiheiten hat, aber keine endgültigen Freiheiten. Ohne Regeln würden wir ständig agieren, wir würden die Grenze des Nächsten überschreiten. Grenzenlose Freiheit würde uns in die Unfreiheit führen, das sichere Leben würde zur Unsicherheit ausarten. Jedes Lebensalter bietet andere Freiheiten, Lebensabschnittsfreiheiten. Die Freiheit der Jugend, bei Mode, Unterhaltung oder Verantwortung unterscheiden sich in vielen Punkten von den Freiheiten des Alters. Die unfreiste Zeit des Lebens ist die Zeit der Lebensmitte. Im Alter nützt man noch einmal die menschlichen Freiheiten aus, besitzt man ein gesundes Mass an Selbstbewusstsein und blickt auf sein Leben mit Selbstachtung zurück. Es ist die Zeit, sich noch einmal gegen gesellschaftliche Entwicklungen aufzulehnen, vieles nicht gut zu heißen. Sich nicht durch Jugend und Schönheit in das Abseits drängen lassen. Die einzige Grenze der Altersfreiheit ist die Grenze des eigenen Lebens, die Begrenztheit der Lebensjahre.

Altersfreiheit gegen Jugend.

22.10.10 14:14


AUS.LÄNDER

Ob vor den Wahlen, nach den Wahlen oder zwischen den Wahlen, es gibt  immer wieder eine Diskussion über die Ausländer. Um diese Diskussion auszulösen genügt am Sonntag der Anblick eines Bettlers vor der Kirchentüre. Bei ihm könnte das  Evangelium in die Praxis umgesetzt werden. Den Kirchenbesuchern stellt sich die Frage, sind diese Bettler eine organisierte Bande aus dem Osten oder wird mit einer Spende jemandem wirklich geholfen. Für jeden stellt sich die Gewissensfrage, hat man sich schon aktiv an einem Hilfsprojekt zur Selbsthilfe im Osten beteiligt oder ist die Nächstenliebe nur ein Bibelwort.

In Wien, wo die Parteien verschiedener Couleurs mit „Ausländer raus Parolen“ auf Stimmenfang sind, fragt man sich als Besucher, wie das Leben in der Stadt ohne die Arbeit von den so genannten Ausländern funktionieren würde, den Arbeitern und Gewerbetreibenden aus anderen Nationen. Den Bus von Baden nach Wien lenkt ein türkischer Chauffeur. In Wien werben an der Haltestelle  bei der Oper Ausländer für eine Besichtigungstour zu den Sehenswürdigkeiten. Ein Japaner, verkleidet als Page im Rokokokostüm,  verteilt Einladungen für ein Mozartkonzert. Die Versorgung der Touristen mit einem kleinen Imbiss erfolgt durch Zugezogene aus dem nahen Osten. Der Verkauf einer kleinformatigen Tageszeitung geschieht großteils durch Ägypter. Die wirklichen Ausländer sind die Touristen. Wie früher die Kebabimbisse, so  breiten sich jetzt überall auf den Plätzen der Innenstadt  von Wien die Mozartshops aus. Das Angebot reicht von Mozarttee, Mozartkugelschreiber, Mozartlikör bis zu den Mozartkugeln. Vor Jahren gab es einen Streit zwischen Deutschland und Österreich ob W. A. Mozart ein Deutscher oder ein Österreicher ist.

Ein  Deutscher in Österreich.    

1.10.10 18:33


GE.FÄNGNIS

In der menschlichen Gemeinschaft dient das Gefängnis  dazu, Leute wegzusperren, um für ihre Straftaten Buße zu tun. Im Gefängnis ist jeder, der sich von schlechten Gedanken nicht lösen kann, sich von verschiedenen Emotionen zu sehr beherrschen lässt. Dies können negative Emotionen wie Hass, Wut, Angst oder Eifersucht sein, oder positive Emotionen wie Freude, Glück, Hoffnung oder Liebe. In einem Gefängnis lebt man, wenn man sich nur der Arbeit oder dem Gegenteil, nur dem Spiel widmet. Zu bedenken ist, dass  Mathematiker, Philosophen, Mediziner, für ihre Forschungsarbeiten  ein freiwilliges Gefängnis auf sich nehmen. Ohne dem wären die Leistungen nicht möglich. Ähnlich ergeht es den Malern, Komponisten oder Dichtern. In Ausnahmefällen wird der freiwillige Gefängnisaufenthalt von der Umwelt akzeptiert. Es ist nicht immer die wissenschaftliche oder künstlerische Leistung die wahre Leistung, sondern das Durchhaltevermögen bei den Projekten, entgegen den äußeren Umständen. Die kreativen Anlagen befinden sich im Körper, sie brauchen nur befreit werden, Raum und Zeit zum Wachsen. Es ist wie bei den Universen, auch wenn dadurch  ein anderes Universum verdrängt oder in seinem Wachstum behindert wird. In der Regel ist nur ein Universum möglich, nur ausnahmsweise vertragen sich zwei gleichwertige Universen nebeneinander.

Körperuniversum.

31.8.10 18:28


GESUND.HEIT

Mit den Dingen, welche in großer Fülle vorhanden sind, gehen wir großzügig, man kann sagen, verschwenderisch um. In unseren Breiten ist dies das Trinkwasser, die unverbaute Landschaft, die Luft, Lebensmittel, mit der Energie und jeder mit einigen persönlichen Dingen. Werden die Ressourcen knapp, beginnt man darüber nachzudenken, wie man den Verbrauch einschränken oder verändern kann. Manchmal ist es möglich ohne Komfortverlust etwas zu verändern. Ähnlich verhält es sich mit der Gesundheit, die direkt nichts kostet. Bei der Gesundheit leben wir drauflos, wobei niemand genau sagen kann, was gesund ist und was nicht. Die großen Gesundheitssünden, wie rauchen, trinken und zu fett essen sind bekannt. Ohne körperliche Bewegung befindet man sich nicht auf dem Weg der Gesundheit. Überrascht ist man oft, dass Leute die ein ungesundes Leben führen sich einer robusten Gesundheit erfreuen, vor Gesundheit strotzen. Heute ist es nicht nachvollziehbar, ob die Gesundheit aus der Apotheke kommt oder ob es ohne Pillen auch so wäre. Kommt man bei einem Busausflug mit den Leuten in das Gespräch, so erfährt man, wie viele Medikamente gerade ältere Leute vom Aufstehen bis zum Schlafengehen einnehmen. Von der Wiege bis zur Bahre, Medikamente alle Tage.

Bittere Pillen.

23.7.10 14:16


BIER.FLASCHE

Nach einem Stadtbummel durch Rijeka habe ich beim Warten auf den Autobus, der in der Nähe vom Hafen abfährt, eine überraschende Beobachtung gemacht. Mit schnellen Schritten nähert sich dem Hafengelände ein kleinwüchsiges Paar, beide tragen eine Mütze auf dem Kopf und haben einen Spazierstock in der Hand. Die Frau ist schlank, der Herr korpulent und trägt einen schwarzen Müllsack. Zielgerichtet steuern sie die Müllinseln an, öffnen die Müllcontainer und verschaffen sich mit dem Spazierstock einen Überblick über den Inhalt. Gekonnt holen sie die Pfandflaschen aus dem Müll und geben sie in ihren Müllsack. In wenigen Minuten ist eine Müllinsel durchsucht und raschen Schrittes geht es zur Nächsten. Das Paar macht einen ordentlichen, einen sauberen Eindruck und zeigt ein fröhliches Gesicht. Sie haben meine Sympathie, weil sie selbst etwas zu ihren Lebensunterhalt beitragen und sich nicht auf die Fürsorge des Staates verlassen.

Diese Beobachtung erinnert mich an eine Busreise nach Venedig, bei der  wir vom Reiseleiter einen Stadtplan bekommen haben, indem eine Unmenge von grünen Punkten eingezeichnet war. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass  in Venedig die Sehenswürdigkeiten so dicht beisammen sind. Bei näherem Studium des Planes stellten wir fest, dass dieser Plan eine Ausgabe vom Umweltamt war und dass die grünen Punkte die Standorte von öffentlichen Müllkörben waren. Im Mülllabyrinth. 

www.schlagloch.at   

5.7.10 11:23


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